Chronik des Städtischen Gesangverein 1843 e.V. Erkelenz
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Historisches

Der Städtische 1926
Der Städtische 1926

Die Vereinsgeschichte


Leider ist eine lückenlose Darstellung der Vereinsgeschichte nicht möglich, da durch das Abhandenkommen des ersten Protokollbuches wie anderer wichtiger Dokumente, die in der Kriegs- und Nachkriegszeit verloren gingen Grundlagen fehlen, die zu einer noch detaillierteren Darstellung von Vergangenem beigetragen hätten.

Doch lässt das, was an Unterlagen übrig geblieben ist erkennen, daß das Vereinsleben von pulsierendem Leben erfüllt gewesen sein muss. Freilich, Höhen und Tiefen wechselten oft miteinander ab in der langjährigen Geschichte des „Städtischen", wie er im Volksmund genannt wird. Im chronologischen Ablauf soll nachstehend die Vereinsgeschichte dargestellt werden.

Doch vorher sollten noch einmal die wichtigsten Paragraphen aufgezeigt werden, die die Grundlage des Vereinslebens wurden.

Neben dem Gründungsprotokoll gaben die Gründungsväter, getreu deutschem Vereinsgeist und deutschem Ordnungssinn, dem Verein Gründungsstatuten mit auf seinen weiten Weg, die uns schriftlich erhalten sind. Die wichtigsten sollten nachstehend genannt werden:


§1

Beitrag 2 Thaler, Vierteljährlich pränumerando (im voraus zu zahlen).

Bei Zahlungssäumigkeit ein Silbergroschen Aufschlag.


§2

Bei Neuaufnahme Ballotage (geheime Abstimmung).


§ 12

Die Gesellschaft überträgt die Leitung ihrer Interessen, die Aufrechterhaltung ihrer gesellschaftlichen Ordnung, die Besorgung aller den Vereinbetreffenden Geschäftsangelegenheiten einer alljährlich neu zu wählenden Direktion, bestehend aus fünf Mitgliedern, nämlich: einem Direktor, 2 Mitgliedern, welche gemeinschaftlich mit diesem den Verwaltungsrat bilden und im Verhinderungsfalle den Direktor vertreten, einem Sekretär und

einem Kassierer.


§ 18

Der zeitige Musikdirektor wird von der Gesellschaft gewählt, welche auch das Honorar für denselben bestimmt. Im übrigen hat er sich nach den Anordnungen der Direktion des Vereins zu richten, wogegen aber auch alle bei dem Gesange und den musikalischen Vereinsunterhaltungen mitwirkenden Mitglieder den Anordnungen desselben Folge zu leisten schuldig sind.


§

Die Direktion wird beauftragt, die Genehmigung der Statuten von seiten der königl. hochlöblichen Regierung zu Aachen mittels gleichzeitiger Einsendung einer von der Direktion als gleichlautend bescheinigten Abschrift nachzureichen, sowie die Genehmigung aller späteren Zusätze oder Abänderungen, und sollen dieselben nach erfolgter Genehmigung abgedruckt unter Rahmen und Glas gebracht und im Vereinslokale zur Einsicht und Beachtung aufgestellt werden.


Erkelenz, den 17. Oktober 1843

gez. August Gerkrath L. Kremer

Peter Jos. Amfaldern Carl Holtz



Einige Anmerkungen zu diesen Paragraphen seien gestattet. Der Jahresbeitrag von 2 Thaler stellte, gemessen nach heutigen Verhältnissen ein echtes Opfer dar, und bedingte so eine gehörige Portion Idealismus! Die geheime Abstimmung bei Neuaufnahme läßt fast den Schluß

zu, daß man eine gewisse Auslese bei der Aufnahme neuer Mitglieder traf. Die Wahl der Direktion (spricht heute Vorstand), ließ von vornherein erkennen, daß man die Absicht hatte, die Gesellschaft (Verein) ordentlich und straff zu führen. Bei dem § 18 spürt man das Bemühen, die

Vereinsorganisatorischen Belange und die musikalische Führung bewußt zu trennen.

Unter diesen Gesichtspunkten konnte das Vereinsleben seinen Verlauf nehmen so wie es seine Gründer vorhatten. Beleuchten wir ein wenig die ersten fünfzig Jahre der Vereinsgeschichte.


Die ersten fünf Jahrzehnte

August Gerkrath, einer der Gründer des Vereins, war lange Jahre 1. Vorsitzender. Das erste Dirigat übernahm Jean Messemaeckers, Organist an der Kirche St. Lambertus und auch vermutlich Gesanglehrer des damaligen Progymnasiums Echter Idealismus und Zielstrebigkeit seitens der Sänger und des Dirigenten waren Voraussetzungen dafür, daß bald nach der Gründung sich der Verein dem „Deutsch-Vlämischen Sängerbund" anschloß. Daß es nicht beim Anschluß an diesen Bund blieb, erhellt sich aus der Tatsache, daß man bereits 1846 an einem Sängerfest dieses Bundes in Brüssel teilnahm. In den folgenden Jahrzehnten führten Aus- und

Inlandsreisen zu Sängerfesten nach Gent, Arnhem, Verviers, Lüttich, Eupen, Kleve, Mönchengladbach, Aachen usw., an denen der Verein mit wechselndem Erfolg teilnahm. Die Aktivitäten der ersten beiden Jahrzehnte lassen vermuten, daß viele positive Kräfte freigesetzt wurden, die nicht nur die reine Teilnahme an obengenannten Sängerfesten beinhaltete, sondern darüber hinaus in zahlreichen „Vocal- und Instrumentalconzerten", die oft auf beachtlichem Niveau standen, ihren Niederschlag fanden.


Erhalten als Inserat aus dem „Erkelenzer Kreisblatt" ist das Programm (siehe Bildtafel) eines Wohltätigkeitskonzertes, welches am 24. September 1854 durchgeführt wurde. Dieses Konzert diente „zum Besten der Überschwemmten Schlesiens". Interessant die Beurteilung dieses Konzertes durch das „Erkelenzer Kreisblatt" Nr.9, welche hier wiedergegeben werden soll.

Hier anschließend Text der Beurteilung...


,Das am vorigen Sonntage von unserem Städtischen Gesangvereine zur Unterstützung der Überschwemmten in Schlesien veranstaltete Concert verdient nicht nur des guten Zweckes wegen eine rühmende Anerkennung, sondern auch der wahrhaft lobenswerten Leistungen wegen.

Mag es sein, daß die Mitwirkung mehrerer und ausgezeichneter fremder Kräfte, das Concert zu einem solchen gemacht hat, wie bisher sicherlich dahier keins gegeben worden ist, in dem so treffliche Talente, wie die der Damen Kayser und Velder, der Herren Thenberg und Servais nur selten zu gleicher Zeit zusammentreffen, so kann dadurch das Verdienst unseres wackeren Vereins nicht geschmälert, sondern nur gehoben werden, da der den Zuhörern dadurch bereitete ungewöhnliche Genuß unbedingt nur den Bemühungen des Vereins zu verdanken gewesen ist. Es liegt nicht in der Absicht, eine Besprechung der einzelnen Vorträge vorzunehmen, alle aber waren gut, und wer sie gehört hat, wird mit Freuden noch lange daran denken. Es ist vielmehr nur die Absicht, auch unserem Verein ein Wort der Anerkennung, ein Wort des Dankes für sein schönes Streben zu widmen, für den Fleiß, mit welchem seine Gesänge eingeübt wurden; kurz man merkt, daß es ihm Ernst ist mit seinen Produktionen; und hier dürfte es am Platze sein zu bemerken, daß unserem Ermessen nach ein guter Teil der sichtlichen Fortschritte des Vereins den Bemühungen seines in der Tat tüchtigen Ehrenmitgliedes und Dirigenten, Herrn Bogen, zugeschrieben werden könne, dessen Bemühungen für denselben um so höher in Anschlag zu bringen sind, als derselbe bekanntlich jedesmal von Ruhrort, seinem jetzigen Wohnsitz, hier herkommen muß, um die Leitung des Gesanges zu übernehmen. Der Verdienste seines Hauptdirigenten, des Herrn Musiklehrers Messemaeckers, um den Verein bedarf es keiner Erwähnung, es ist dessen Person mit dem Verein so innig verwachsen, daß es durchaus überflüssig erscheint, darüber Worte zu verlieren."

(Erkelenzer Kreisblatt, Jahrgang 1854, Nr.9).


Im gleichen Jahr feierte der Verein am 26. November 1854 das Fest der Fahnenweihe unter der Beteiligung der MGV „Liedertafel" Mönchengladbach,

Zwei Jahre später, 1856, trat der "Städtische Gesangverein" Erkelenz dem "Niederrheinischen Sängerbund" bei.


Wie schon erwähnt, hat jeder Verein Höhen und Tiefen in seinem Vereinlieben aufzuweisen. Siebzehn Jahre nach der Vereinsgründung, 1860, stellt sich dieses Jahr als ein Jahr der Krise dar. Da wird über zwei schnell aufeinander folgende Gesellschaftsversammlungen berichtet, aber nichts über etwaige musikalische Tätigkeiten. Auch die vier folgenden Jahre zeichnen sich dadurch aus, daß es über musikalische Tätigkeiten nichts zu berichten gibt. Von 1865 bis zum deutsch-französischen Krieg scheinen die gesanglichen Aktivitäten völlig geruht zu haben. Die Dirigententätigkeit bis zu dieser Zeit lag in den Händen von Jean Messemaeckers.

Wie ein Phönix aus der Asche, aber wohl auch beseelt von dem stolzen Gefühl des Sieges im deutsch-französischen Krieg, erwachte der „Städtische Gesangverein" nach siebenjähriger Pause zu neuem Leben. Sprunghaft schnellt die Zahl der aktiven Mitglieder, erstaunlich für eine kleine

Stadt wie Erkelenz, auf etwa 50 Sänger. Das Dirigat übernahm nun Peter Joseph Hilberath für den scheidenden Jean Messemaeckers. Peter Joseph Hilberath richtete wie sein Vorgänger einen Gesangskursus ein. In diesem konnten Mitglieder, „denen es an musikalischen Kenntnissen noch gebricht" (so lautet der Aufruf im „Erkelenzer Kreisblatt"), das nötige musikalische Wissen erwerben. Der Aufschwung bedingte eine intensive Probenarbeit, die natürlich Erfolge zeitigte. Schon nach einem halben Jahr nach Wiederaufleben der Vereinstätigkeit konnte man einen großen Erfolg verbuchen, den man vom Besuch des „Concours International" Verviers (Belgien) mit nach Erkelenz brachte. Dieser Erfolg bewog den „Städtischen" drei bis vier Abonnementskonzerte durchzuführen, die auf hohem Niveau gestanden haben müssen. Dies zeigt eine Liedauswahl aus einem dieser Konzerte. Unter anderem sang der Chor „Das deutsche Lied"

von Kaliwoda' „Schottischer Bardenchor" von Silcher, „Der frohe Wandersmann" und „Jägers Abschied" von Mendelssohn, „Liedesfreiheit" von Marschner und „Heimbeschwöring" von Dürmer.


Interessant zu erwähnen das jahrzehntelang durchgeführte Ostermontagskonzert, als Benefizkonzert durchgeführt, welches dazu diente, das wohl nicht zu üppig bemessene Honorar des Dirigenten aufzubessern.

Das 30. Stiftungsfest gestaltete man mit der Kapelle des 28. Infanterieregiments aus Aachen und der Verpflichtung von Jean Messemaeckers.

Als eine neue Form der Geselligkeit, verbunden mit musikalischem Engagement, muß die Aufführung der Operette „Incognito" oder „Fürst wider Willen" angesehen werden, mit der der Verein, der auch bei kirchlichen Anlässen mitwirkte, seine Flexibilität und Vielseitigkeit unter Beweis stellte.


Die in den folgenden Jahren stattfindenden Konzerte standen auf einem recht guten Niveau, was noch durch die Heranziehung guter Solisten unterstrichen wurde. Uns sind die Namen folgender Solisten überliefert: Frau Emma Brigdemann, Mitglied der italienischen Oper in London, Kon-

zertsänger Eigenberts aus Rheydt, der Bassist Ernst du Mont-Fier aus Köln, Heinrich Peters, Städt. Musikdirektor in Gelsenkirchen und ein Kölner Streichquartett.


Beim 35. Stiftungsfest hatte man den MGV „Liederkranz", die „Liedertafel" Mönchengladbach sowie den „Altenberger Gesangverein" aus Preußisch Moresnet eingeladen. Der „Städtische" selbst brachte bei dieser Gelegenheit unter Leitung von Peter Joseph Hilberath Mendelssohns

„Festgesang an die Künstler", „Meeresstille" und „Glückliche Fahrt" von Fischer zu Gehör.


Von einem Sängerfest in Eupen sowie einem Gesangswettstreit in Köln kehrte der Städtische Gesangverein Erkelenz preisgekrönt heim. Beim Sängerfest des MGV „Gregorius" Heinsberg muß der Verein, Presseberichten zufolge, durch hervorragende Leistungen allseitige Anerkennung gefunden haben. Kurios der Bericht, wonach bei einem Wettstreit in Aachen, mit Vereinen aus Köln, Eupen und Rheydt, der „Städtische" wohl deshalb leer ausging, weil etliche der Sänger wohl recht tief ins Glas geschaut hatten.


Das Goldjubiläum des Vereins

Nur kurz übernahm Oberküster Hubert Zimmermann das Dirigat des Vereins. Ihn löste der aus Gerderath kommende Hauptlehrer Wilhelm Schommertz ab. Er hatte auch die musikalische Leitung inne, als das goldene Vereinsjubiläum am 13. und 14. August 1893 gefeiert wurde.

Glanzvoll war der Verlauf dieses Jubiläums, wie die noch erhaltene Festzeitschrift zu diesem Ereignis dokumentiert In ihr sind die Namen der Aktiven, die des Festcomitees sowie die der Mitglieder des Festausschusses aufgeführt (siehe auch Abbildung). Danach zählte der Verein 44 aktive Sänger, 5 Ehrenmitglieder sowie 70 Passive. Vorsitzender war Fritz von den Hoff, Dirigent W. Schommertz. Laut „Programm für das allgemeine Conzert" nahmen außer dem Jubelverein 17 Gesangvereine, die unter anderem aus Düsseldorf, Krefeld, Viersen und Rheydt kamen sowie 3 Instrumentalvereine an diesem gewiß großen Konzertprogramm teil. Die Festrede hielt der damals amtierende Bürgermeister Reinkens.


Obwohl man hätte sagen sollen, daß solch ein Fest dem Verein Auftrieb gegeben hätte, läßt sich über das nachfolgende 6. Jahrzehnt des „Städtischen" nicht sehr viel nennenswertes berichten. Man verlegte sich in seiner Tätigkeit auf „Theatralisch-Musikalisch-Karnevalistische Abendunterhaltungen" (siehe Programm). Zudem wird über „Familienfeste mit Conzert und Tanz" sowie „Vocal- und Instrumentalconcerte", verbunden mit einer Christbaumbescherung und Gratisverlosung und geschlossenem Vereinsball berichtet. Traditionsgemäß fand letztere Veranstaltung am 2. Weihnachtstag statt.


 

 

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aktualisiert am:

12.12.2017

durch Alfred Reipen

 

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